Mit Peressigsäure gegen die Kräuselkrankheit

Der grösste Feind der meisten Nektarinen- und Pfirsichbäume ist die Kräuselkrankheit (bzw. deren Ursache der Pilz Taphrina deformans), welche die neuen Blätter im Frühjahr zusammenkringeln, verkümmern und später abfallen lässt. Dadurch fehlt dem Baum die Kraft für die Ausbildung der Früchte und zur Regeneration. Er wird immer weiter geschwächt und kann daran sogar eingehen. Als Bekämpfung gibt es bisher kupferhaltige Mittel, welche im genau richtigen Zeitpunkt gespritzt werden müssen, damit sie wirksam sind – abgesehen vom Schwermetall Kupfer, welches in den Garten ausgebracht wird. Allerdings sind selbst diese nicht mehr überall für den Hausgarten zugelassen.

Ein legaler Ansatz ist die „extrem cut and feed“-Technik für den Bio-Anbau, welche ich unter dem Artikel Winterschnitt bei Pfirsich und Nektarine beschrieben habe.

Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung von 1,5%iger Peressigsäure. Diese ist aber für den Gebrauch im Pflanzenbau bzw. für Pfirsiche/Nektarinen nicht zugelassen und darf darum nicht angewendet werden – folglich ist es eine rein theoretische Möglichkeit. Diese wäre kostengünstig, einfach anzuwenden und hochwirksam. Der einzige Wermutstropfen ist die geringe Haltbarkeit der Lösung. Versuche einer Forschungsanstalt (ich kann leider den Artikel nicht mehr finden) mit unterschiedlichen Desinfektionsmitteln haben einzig mit Peressigsäure einen Befall von 0% ergeben.

Sicherheitshinweis! Im Umgang mit Wasserstoffperoxid (H2O2) ist Vorsicht geboten! Beim Spritzen der Peressigsäure (C2H4O3) sind ebenfalls Schutzkleidung (Brille, Maske, Jacke mit Kaputze,….) angebracht!

Das Wasserstoffperoxid (H2O2) sollte erst möglich kurz vor der Spritzung gekauft werden, da es sich nicht lange hält – es wird in Wasser und Sauerstoff abgebaut. Die Lagerung sollte möglichst kühl und dunkel erfolgen. Zur Herstellung der 1,5% Peressigsäure (C2H4O3) benötige ich zu gleichen Teilen Wasserstoffperoxid 3% und Essigsäure 3% (also einfach Essig). Einfacher Weissweinessig geht – andere ziehen Essigessenz vor, um möglichst rein zu bleiben.

Das Wasserstoffperoxid kann ganz einfach in der richtigen Konzentration gekauft werden. Haushaltsessig hat zwischen 4 und 6%, während Essigessenz über 15% hat und somit verdünnt werden muss. Dazu kann einfach das Mischungskreuz verwendet werden:

mischungskreuz

Meine Essigessenz hat 25% Essigsäure. Um diese auf 3% zu verdünnen, müssen [0%-3%=3] 3 Teile Essigessenz mit [25%-3%=22] 22 Teilen Wasser verdünnt werden. Das sind insgesamt 25 Teile. Für 250 ml Lösung sind das (250/25*3=) 30 ml Essigessenz + (250/25*22=) 220 ml Wasser.

mischungskreuz-25-3

Anwenden der Peressigsäure: Hat man beide „Zutaten“ in 3%iger Form vorliegen, werden sie einfach zu gleichen Teilen vermischt, in eine Spritze gefüllt und unter Beachtung der notwendigen Schutzmassnahmen ausgebracht. Die Mischgefässe und die Spritze (besonders auch die Düsen) sollten möglichst aus Kunststoff sein, da Peroxide Metalle angreifen.

Der Zeitpunkt der Spritzung sollte irgendwann zwischen Herbst und Frühling stattfinden. Die Blätter sollen bereits vom Baum gefallen sein. Die Lufttemperatur muss >10°C sein, damit das Mittel wirksam ist. Der Baum sollte trocken sein, bzw. sollte während oder kurz nach der Spritzung nicht regnen.

Nachtrag: Bisher war Peressigsäure nur für die Reinigung und Desinfektion zugelassen – unter anderem aber auch in der Lebensmittelindustrie. In der Zwischenzeit gibt es Meldungen, dass Spritzmittel zugelassen werden sollen, für den Einsatz im Pflanzen- und Bodenschutz. Zum Beispiel hier: Patent DE 10241614 A1 (Falls nicht mehr verfügbar, gibt es eine Offline-Version vom 24.11.16)

In obigem Link wird auch erwähnt, dass mit geringerer Konzentration auch nach dem Austrieb bzw. sogar nach Befallsbeginn gespritzt werden kann. Ich würde 0,5%ige Peressigsäure nehmen: 1 Teil Peressigsäure 1,5% + 5 Teile Wasser mischen.

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