Archiv der Kategorie: Tipps und Tricks zum Garten

Winterschnitt bei Pfirsich und Nektarine

Ich bin am testen einer speziellen Schnitt-Art für Pfirsiche und Nektarinen. Pfirsichbäume müssen um fruchtbar zu bleiben ziemlich stark geschnitten werden. Ich schneide noch etwas stärker, gebe dann eine kräftige  Stickstoffdüngung und hoffe so nicht mehr gegen die Kräuselkrankheit spritzen zu müssen. Die Idee selbst ist nicht von mir – ich habe irgendwo aus dem Bio-Bereich davon gelesen. Ich nenne sie „extrem cut and feed“-Methode.

Durch den starken Rückschnitt wird gleichzeitig der Fruchtansatz ausgedünnt, so dass ein späteres Ausdünnen der Früchte entfällt.

Der Gedanke hinter der Methode ist folgender: Die Triebe werden extrem stark zurückgeschnitten. Auf diesen Schnitt reagiert der Baum mit sehr starkem Wachstum. Das ergibt viel neue Blattmasse. Da die alte Blattmasse nicht gespritzt ist, sind die Blätter an den verbliebenen Trieben anfällig für die Kräuselkrankheit. Die Blätter an den neu entwickelten Trieben sind jedoch gesund. Die kranken Blätter können abfallen oder abgenommen werden – während die neuen gesunden Blätter dem Baum genügend Kraft und Nahrung liefern, um sich und die Früchte prächtig zu entwickeln.

Dazu werden die Bäume im März, sobald die Blüten sich öffnen (oder kurz davor) geschnitten. Pro Ast lassen wir nur einige Blütenknospen stehen.

Nach dem Schnitt bekommt der Baum eine ordentliche Stickstoffdüngung.

Ein weiterer Vorteil dieser Methode ist, dass ich den Baum relativ klein halten kann.

Wie sich die Methode bewährt, werde ich hier festhalten. Nachtrag vom November 2016: Meine Tellernektarine hatte sich ganz gut gehalten. Die eine Säulennektarine wurde jedoch arg befallen, so dass ich beschlossen habe, künftig wieder mit Peressigsäure zu spritzen.

Diese Idee bekräftigt hat mir die Seite „Obstbäume richtig schneiden und erziehen“ (unter 7. Besonderheiten beim Schnitt von Pfirsich- und Sauerkirschbäumen) vom Bayrischen Obstzentrum Hallbergmoos.

Klimakterische Früchte

Manches Obst (und Gemüse) muss vollreif gepflückt werden. Es reift nach der Ernte nicht nach und ist darum nicht richtig schmackhaft, wenn es zu früh geerntet wird. Andere Früchte können unreif geerntet werden und reifen danach weiter – die bekannteste unter ihnen ist wohl die Banane. Die Banane ist eine sogenannte klimakterische Frucht – eine nachreifende Frucht. Tafeltrauben zum Beispiel reifen nach der Ernte nicht nach – es sind nichtklimakterische Früchte.

Doch auch klimakterische Früchte reifen nicht in jedem Fall nach. Je nach Sorte benötigen sie eine bestimmte Mindestreife – die „Pflückreife“ – damit sie nach der Ernte bis zur „Genussreife nachreifen können.

Die folgenden Früchte sind klimakterisch – reifen also zuhause noch nach:

  • Äpfel
  • Ananas ?? soll angeblich nicht-klimakterisch sein, also lieber vollreif kaufen…
  • Aprikosen
  • Avocados
  • Bananen
  • Birnen
  • Cherimoya
  • Feigen
  • Feijoa
  • Guaven
  • Heidelbeeren
  • Kakis
  • Kiwis
  • Mangos
  • Melonen (Honigmelonen)
  • Nektarinen
  • Passionsfrüchte
  • Papayas (& Babacos)
  • Pepino
  • Pfirsiche
  • Pflaumen & Zwetschgen
  • Tomaten  

  

Die folgenden Früchte sind nicht klimakterisch – müssen also vollreif gepflückt/gekauft werden:

  • Ananas (??)
  • Brombeeren
  • Erdbeeren
  • Granatäpfel
  • Himbeeren
  • Kapstachelbeere
  • Kirschen
  • Kokosnüsse
  • Litchi
  • Tafeltrauben
  • Wassermelonen
  • Zitrusfrüchte

 

Keine Angst vor dem bösen Fuchs!

Beim stöbern nach Rezepten für Minikiwis bin ich im Blog Kräuterkram auf einen interessanten Artikel zum Fuchsbandwurm gestossen: Der Artikel Beerensammeln ohne Furcht von Rosemarie Stein im am 24. Juli 2007 bei „Der Tagesspiegel“ online veröffentlich worden.

Erkrankungen durch den Fuchsbandwurm (Echinokokkose) beim Menschen sind meldepflichtig. Die deutsche „Filiale“ des Europäischen Echinokokkose-Registers ist am Uniklinikum in Ulm, wo diese Fälle sorgfälltig dokumentiert und beobachtet werden.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat eine Studie erstellt (wird erwähnt im Epidemiologischen Bulletin Nr. 15/2006 des RKI). Gemäss dieser Studie ist das Risiko sich mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren deutlich höher bei Personen die Umgang mit Hunden haben oder die in der Landwirtschaft tätig sind. Letztere wohl, da neben dem direkten Kontakt mit erkrankten Tieren wohl ein direkter Kontakt mit kontaminierter Erde (>Kot) ein potentielles Ansteckungsrisiko darstellt. Ein Zusammenhang mit dem Sammeln und Essen von Wildbeeren ergab sich nicht.

Letzteres bestätigt Peter Kern (Infektionsmediziner am Uniklinikum Ulm) im Fachblatt „Münchner Medizinische Wochenschrift“ (2007, Nr. 29-30, S.18): „Es gibt keinen Beleg dafür, dass beim Verzehr von Waldbeeren ein Risiko besteht, sich mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren.“

Für die Praxis entnehme ich dem Artikel:

  • Nach dem Spiel mit Hunden & Katzen sind die Hände zu waschen!
  • Waldbeeren können grundsätzlich gegessen werden. Besonders solche, die nicht direkt in Bodennähe gewachsen sind. (Letztere Einschränkung, da der Kot von Füchsen doch ein erhöhtes Risiko darstellt und ich beim Beeren und Kräutern am Boden nicht ausschliessen kann, dass ein Fuchs dahinge… hat.)
  • Das gleiche gilt für Kräuter: In Bodennähe wäre ich nach wie vor vorsichtig.
  • Bei Pilzen besteht kein Risiko, da die Pilze ohnehin gekocht werden müssen. Dann sterben die Erreger.
  • Wenn man im Waldboden herumgewühlt (oder Pilze gesammelt hat) sollte man nachher die Hände sauber waschen.
  • Hunde sind regelmässig (vierteljährlich) zu entwurmen.
  • Nach dem Spiel mit Hunden & Katzen sind die Hände zu waschen!

Der letzte Punkt ist absichtlich doppelt aufgeführt, da es wohl das grösste Risiko ist, besonders wenn man mit den Hunden gelegentlich in Waldnähe ist oder Füchse im Garten,… hat.

Weitere Infos gibt es im RKI-Ratgeber für Ärzte zum Thema Fuchsbandwurm.

 

PS: Sollte der Artikel einmal nicht mehr online verfügbar sein, habe ich ihn als pdf-Dokument gesichert:

Beerensammeln_ohne_Furcht_www.tagesspiegel.pdf (146.86 kb)

Mit Kaffee gegen Wespen

Florian alias Florian 1 schreibt im Gartenforum, dass er mit Kaffee die Wespen wegräuchert. Es gibt andere Benutzer, welche die Wirkung bestätigen und von der Methode schwärmen – und solche, die meinen bei ihnen hätte es nicht funktioniert.

Versuch macht klug!

An Sohnemanns Geburtstag haben wir’s also ausprobiert: Am späteren Nachmittag tauchen immer mehr Wespen auf und belästigen die gemütliche Runde. Also hole ich einen Teelichthalter und fülle in eine leere Teelichtschale ca. 1 TL Kaffeepulver.

Dann entzünde ich das ganze mit dem Feuerzeug: zuerst will es nicht recht brennen, dann glimmt und qualmt es plötzlich fröhlich drauflos.

Ich stecke den Teelichthalter neben uns in die Blumenrabatte und alle beobachten gespannt, was da vor sich geht.

Das Kaffeepulver qualmt vor sich hin, stört aber nicht. Die Gespräche drehen sich natürlich nur darum:

  • „was? Kaffee brennt?“
  • „Es riecht nicht schlecht“
  • „irgendwie ein wenig nach BBQ“

Und tatsächlich hat es sofort (fast) keine Wespen mehr. Ab und an fliegt noch eine einzelne vorbei, verschwindet aber sehr schnell wieder. Wir sind uns einig: es nützt.

Ich denke, es wäre vermessen, zu hoffen, dass keine Wespe mehr in die Nähe findet. Diese Erwartung kann aber dafür verantwortlich sein, dass einige denken, es nütze nichts. Ausserdem kann es je nach Wind vielleicht sein, dass der Rauch so weggeblasen wird, dass der Nachbar anstelle einem selbst wespenfrei isst… erstaunt

 

Als ich dann am ausgeglimmten Pulver nochmals gerochen habe, hatte ich ein kleines Deja-Vu: früher gab es so Anti-Mücken-Spiralen. Das waren spiralförmige Presslinge, die an einer Seite angezündet wurden und dann rauchend abglimmten – die rochen genauso!

 

Blütenendfäule bei Tomaten

Die Freude schwindet, wenn die schön angesetzten Tomaten plötzlich an den Spitzen dunkle Stellen bekommen. Diese Stellen werden schwarz und hart und ziehen sich in die Tomate hinein. Die Tomaten sind nicht essbar … Besonders oft tritt dies bei den länglichen Flaschentomaten auf. Aber auch bei Paprika kann es vorkommen, dass die Früchte plötzlich braun-schwarze Spitzen bekommen und faulen.

Es handelt sich um die sogenannte Blütenendfäule – keine Krankheit, sondern eine Mangelerscheinung: Kalziummangel. Allerdings bedeutet das nicht automatisch, dass der Boden zuwenig Kalzium (Ca) enthält, sondern viel mehr dass die Pflanze das Kalzium nicht aufnehmen kann. Da die Blüten/Früchte ziemlich am Ende des Saftflusses stehen, bekommen sie am wenigsten Kalzium ab und zeigen daher als erstes die Mangelerscheinungen. Also müssen wir der Pflanze helfen, Kalzium besser aufzunehmen. Dabei unterstützt uns das Urgesteinsmehl: es hilft der Pflanze, die Nährstoffe aus dem Boden besser aufzunehmen – auch das Kalzium.

Sobald man also erste Anzeichen von Blütenendfäulen (in der Regel in Form schwarzer Spitzen an den ersten Früchten) entdeckt, sollte man etwas Urgesteinsmehl um die Pflanzen streuen und mit Wasser einschwemmen. Nicht mit der Hacke einarbeiten, sonst können die Wurzeln beschädigt werden. In schwerwiegenden Fällen kann auch ein Kalziumhaltiger Blattdünger auf die Pflanzen gesprüht werden. Das habe ich jedoch noch nie probiert.

Die Methode mit Urgesteinsmehl streuen und einschwemmen habe ich hingegen bereits erfolgreich probiert und hat auch in benachbarten Gärten funktioniert. Ich verwende seither Gesteinsmehl für Tomaten und Paprika vorbeugend bei der Pflanzung.

„Vorbeugen ist besser als Heilen“

Das gilt auch hier. Tritt das Problem regelmässig auf oder pflanzt man anfällige Sorten (v.a. Flaschentomaten), so rate ich direkt beim Einsetzen pro Pflanze etwas Gesteinsmehl beizugeben oder nach dem Pflanzen um die Pflanze herumzustreuen und einzuschwemmen.

Seither habe ich weitgehend Ruhe – ausser dort wo ich’s in der Eile beim Pflanzen vergesse… 

 

Helmut Pummer hat in seinem Gartentagebuch das ganze Phänomen etwas detaillierter beschrieben.

Backpulverspritzung gegen Mehltau und Kraut- und Braunfäule

Allerlei Haus- und Wundermittel vor allem gegen die gefürchtete Krautfäule geistern herum. Die wenigsten erweisen sich jedoch als zuverlässig wirksam. Eines hingegen hat sehr viel positive Rückmeldungen bekommen, vor allem auch bei der Krautfäule an Tomaten. Ich bin zum Glück von der Krautfäule nicht so stark geplagt, da meine Tomaten relativ gut geschützt und windig stehen, so dass sie kaum Regen abbekommen und rasch wieder abtrocknen. Mehltau an Gurken und Zucchini kenne ich dafür sehr gut…

Ich habe das Mittel daher erst gegen Mehltau erprobt, aber mit gutem Ergebnis.

 

Rezeptur für die Backpulver-Spritzung

  • 1l Wasser
  • 7.5g Backpulver auf Natronbasis (Natriumhydrogencarbonat= Natriumbicarbonat)
  • 1EL Rapsöl (billigstes, da dies dünnflüssiger ist als Bio-Öl)
  • 1 Spritzer Spülmittel (als Emulgator, damit sich das Öl mit dem Wasser verbindet)

Quelle: Anneliese Schmid 2009 im Thread ‚Interessantes zum Thema Kraut und Braunfäule‘ auf hausgarten.net (Post #28) [PDF0002]

Alle Zutaten gut vermischen und in eine Pflanzenspritze füllen. Die Mischung enthält ca. 0.75% Backpulver.

Anwendung

Gegen Pilze und tierische Schädlinge an Tomaten, Gurken, Kürbis, Zucchetti, Melonen, Nüsslisalat, Salat, Rosen, Rosmarin, Salbei, Beeren …. Soll auch gegen Schorf und Regenflecken bei Kernobst sowie gegen Blüten- und Zweigdürre (Monilia) bei Aprikosen helfen.

Sobald ein Befall festgestellt wird, die Pflanzen rundum tropfnass spritzen. Danach regelmässig alle 8-12 Tage bzw. im Freiland nach jedem Regen spritzen. Vorsicht bei starker Sonneneinstrahlung: der Ölfilm kann wie eine Linse wirken und zu Verbrennungen führen. Bei Gemüse sollten 2-3 Behandlungen meist reichen. Nicht bei <25°C anwenden.

Achtung: Armicarb wird auch zur Früchtausdünnung bei Äpfeln & Zwetschgen verwendet. Es verätzt Blütenblätter und Pollen. Daher würde ich auch bei Gurken, etc. die Blüten schonen! (Allerdings stärker dosiert)

Anwendung bei Aprikose: Ab Blühbeginn und während der Blüte wöchentlich und nach Regen spritzen.

Die Wartefrist für Armicarb bei Gemüse ist gemäss Schweizer Bauer: 3 Tage. Diese halte ich ich ebenfalls ein.

Für Armicarb 100 werden 0 Tage Wartezeit angegeben. Der Intervall wird mit 10-20 Tagen angegeben, bei Pilzfreundlichem Wetter in engeren Abständen. Ausserdem wird angegeben, dass angerührtes Spritzmittel innerhalb von 12 Stunden verbraucht werden soll. (Ich halte mich da nicht so dran, ist aber sicher ein wenig Beobachtung wert.)

Ich habe auch einen Praxis-Bericht zur Anwendung der Backpulverspritzung bei Mehltau an Gurken erstellt.

Gedanken zur Wirkungsweise

  • Das saure Backpulver senkt den pH-Wert auf den Pflanzenblättern. Das mögen Pilze nicht.
  • Das Öl soll die Pilzgeflechte lösen.
  • Das Spülmittel wirkt als Emulgator zum Binden von Öl und Wasser.
  • Das Mittel soll auch gegen weisse Fliegen, Raupen, etc. wirken. Da wirkt vermutlich das Öl welches die Atmung der Fliegen verstopft.

  

Interessanterweise habe ich bei der Zeitschrift Schweizerbauer einen Artikel gefunden, der ein neues für den Bio-Anbau zugelassenes Mittel ankündigte. Der Link funktioniert leider nicht mehr und ich konnte den Artikel nicht mehr finden. Im Artikel stand geschrieben, dass das auf Kaliumbicarbonat (E501) basierende Mittel Armicarb in 0,5%iger Konzentration seit 1. Juli 2008 im biologischen Landbau zugelassen ist gegen echten Mehltau bei Tomaten, Nüsslisalat, Gurken, Zucchetti, Rosmarin und Salbei. Wartefrist 3 Tage. Das Produkt muss unmittelbar nach Befallsbeginn regelmässig in wöchentlichen Abständen eingesetzt werden.

Nachtrag: Mit etwas Suchen findet man jedoch auch anderswo im Internet Hinweise auf die Wirkung von Backpulver/Natriumbicarbonat gegen Pilze an Gemüsekulturen. Im Forum von Hausgarten.net habe ich zum Beispiel noch einen Hinweis auf obiges Mittel gefunden, welches in den USA unter den Namen „Armicarb 100“ oder „Firststep“ auf dem Markt sein soll. Der Beipackzettel zu Armicarb 100 [PDF0005] ist ebenfalls dort verlinkt, wie auch dieser Beitrag: Using Baking Soda as a Fungicide (von George Kuepper, Raeven Thomas, and Richard Earles) [PDF0006]. Kleine Übersetzungshilfe: Potassium bicabonate = Kalimbicarbonat und Sodium bicarbonate = Natriumbicarbonat

Nachtrag 2: In der Schweiz ist das Mittel ebenfalls unter dem Namen Armicarb von der Firma Stähler erhältlich. Für den Hausgarten führt z.B. Landi ein Produkt mit diesem Namen und Wirkstoff.

Ein entsprechender Bericht über die Zulassung im Bio-Anbei ist in einer Medienmitteilung des FiBL [PDF0001] von 2008 zu finden.

Nachtrag 3 (Februar 2015): Eine Backpulverspritzung soll auch gegen den Buchsbaumzünsler helfen! Gelesen auf Willis Wein Idee.

Gedanken zur Winterhärte von Pflanzen

Die Winterhärte von Pflanzen ist ein vieldiskutiertes Thema. Voller Stolz wird eine winterharte Feige gekauft und ausgepflanzt – 1 Jahr später ist sie im Feigenhimmel… Warum? Einige Gedanken dazu…

Was bedeutet winterhart?

Zuerst einmal kommt es darauf an, auf welche Region sich die Information bezieht – daher spielt die Quelle der Information eine wichtige Rolle. Winterhart im Mittelmeerraum (oder nur schon im Tessin), bedeutet nicht winterhart im Bündner Berggebiet. Aus diesem Grund hat das US Department of Agriculture (USDA) für die US-Gebiete eine Karte erstellt und die Gebiete anhand der durchschnittlich kältesten Jahrestemperatur in 11 Zonen (Zone 1-11) eingeteilt. Diese sogenannten USDA Plant Hardiness Zones (USDA-Klimazonen) dienen international als Standard für die Beurteilung der Winterhärte von Pflanzen. Diese Einteilung wurde auch für den Rest der Welt erweitert. Für die Schweiz (und Deutschland/Österreich) gelten grob die folgenden Zonen: Flachland Zone 6-7, Alpenraum 5-6 und Hochalpen Zonen 4-5. Einzelne Regionen (in Seenähe, Weinbaugebiete, Senken) können aber wärmer oder auch kälter liegen. Daher nützt diese Einteilung nur bedingt. Eine etwas genauere Karte gibt es auf garten-pur.de. Demnach liegt die Region Schaffhausen in Zone 6b-7b – wohlgemerkt die Durchschnittswerte! (Ich würde zu Zone 7a tendieren – es kann aber durchaus auch einmal -20°C geben… und dann ist das grün futsch…).

Es kommt aber nicht nur auf die Klimazone an, sondern auch auf das Microklima am Standort der Pflanze: Bei uns im Garten gibt es eine Stelle, wo der kalte Biswind im winter ständig kräftig durchzieht. Dort verfrieren viele Pflanzen, die an jeder anderen Stelle im Garten problemlos überleben.

Die tiefste Temperatur ist nicht allein massgebend. Besonders bei Angaben zu überlebten Tiefstwerten aus Amerika sind mit Vorsicht zu geniessen. Da kann es durchaus einmal in der Nacht -26°C geben, am Tag wird es aber wieder deutlich wärmer. Ausserdem kühlt vielfach nur die Luft so stark ab, der Boden bleibt aber (mehr oder weniger) frostfrei – und schon gar kein Kahlfrost über mehrere Tage!

Nässe ist schlimmer als Kälte

Viele Pflanzen gehen eher an zu nasser Überwinterung ein, als dass sie erfrieren. Besonder bei empfindlichen Wurzelsystemen (Passionsblumen, Bananen, Rosmarin,…) können durch ständige Feuchtigkeit oder gar Staunässe Schäden auftreten, die zum Tod der Pflanze führen. Das muss unbedingt bei winterlichen Giessen beachtet werden: Erst giessen, wenn die Erde deutlich abgetrocknet ist – und auch dann nur in kleinsten Mengen. Bei sehr empfindlichen Pflanzen mit sehr geringem Verbrauch kann ein Giessen mit dem Zerstäuber sinnvoll sein.

Bei Bananen z.B. erst giessen, wenn sich die Erde vom Topfrand zu lösen beginnt.

Hierbei ist auch wichtig, dass der Topf eher etwas zu knapp ist, als zu gross. Die Erde wird dann rascher trockengetrunken als ein Riesentopf mit einem Mikro-Wurzelsystem.

Das Alter der Pflanze entscheidet mit

Bei vielen „bedingt“ winterharten Pflanzen hat das Alter bzw. die Grösse der Pflanzen entscheidend Einfluss über die Frosthärte. Ein älteres, kräftiges Rizom kann beispielweise mehr Kälte und treibt im Frühjahr rascher und kräftiger aus (z.B. Banane). Älteres Holz ist auch weniger anfällig für Frostschäden, als junge, dünne Triebe. Beispiele hierfür sind Feigen, Kiwi oder Kaki.

Beispiele zu bedingt winterharten Pflanzen

  • Feigen: Winterharte Feigen gelten als winterhart, wenn der Stamm gut armdick ist – als ca. 7-8cm Durchmesser.
  • Rosmarin: Sollte zuerst zu einer kräftigen Pflanze heranwachsen. Ca. 2-3 Jahre sollte er im Topf und vor allzu starken Frösten geschützt heranwachsen. Dann kann er ausgepflanzt werden – und überlebt mit etwas Glück auch strengere Winter. Aber nur, wenn er nicht zu nass steht!
  • Bananen: Je älter und grösser und damit kräftiger das Rizom ist, umso rascher und zuverlässiger treibt es auch nach einem sehr kalten Winter wieder aus. Sehr junge Bananenpflanzen können noch nicht dunkel und völlig trocken überwintern. Sie müssen kühl und hell stehen und ganz sorgfälltig gegossen werden.