Archiv der Kategorie: Pflanzenschutz

Mit Peressigsäure gegen die Kräuselkrankheit

Der grösste Feind der meisten Nektarinen- und Pfirsichbäume ist die Kräuselkrankheit (bzw. deren Ursache der Pilz Taphrina deformans), welche die neuen Blätter im Frühjahr zusammenkringeln, verkümmern und später abfallen lässt. Dadurch fehlt dem Baum die Kraft für die Ausbildung der Früchte und zur Regeneration. Er wird immer weiter geschwächt und kann daran sogar eingehen. Als Bekämpfung gibt es bisher kupferhaltige Mittel, welche im genau richtigen Zeitpunkt gespritzt werden müssen, damit sie wirksam sind – abgesehen vom Schwermetall Kupfer, welches in den Garten ausgebracht wird. Allerdings sind selbst diese nicht mehr überall für den Hausgarten zugelassen.

Ein legaler Ansatz ist die „extrem cut and feed“-Technik für den Bio-Anbau, welche ich unter dem Artikel Winterschnitt bei Pfirsich und Nektarine beschrieben habe.

Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung von 1,5%iger Peressigsäure. Mit Peressigsäure gegen die Kräuselkrankheit weiterlesen

Die Kirschessigfliege macht den Gärtner sauer

Die Kirschessigfliege Drosophila suzuki ist ein fernöstlicher Verwandter unserer einheimischen Fruchtfliege Drosophila melanogaster und hat sich in den letzten Jahren auch in Europa angesiedelt. 2014 konnten sich die Bestände aufgrund des milden Winters und des feuchten Sommers enorm ausbreiten und die Populationen griffen fast wahllos alle weichen bzw. dünnschaligen Obst- und Beerensorten an.

Während die „normale“ Fruchtfliege nur bereits beschädigtes Obst befällt, kann die Kirschessigfliege ihre Eier auch in völlig intakten Beeren ablegen. Ausserdem legt sie extrem viele Eier, welche nach einer sehr kurzen Entwicklungszeit bereits schlüpfen. Innerhalb von Stunden beginnen die Frassstellen der Larven zu faulen und es entsteht Essig, wodurch die ganzen Beeren nach Essig schmecken und die umliegenden Beeren von der Fäulnis angesteckt werden. Dunkles Obst wird scheinbar bevorzugt, wodurch z.B. blaue Trauben stark befallen werden, während weisse Trauben eher verschont bleiben. Die Anziehung der roten Farbe auf die Fliegen sollte auch bei den Fallen genutzt werden.

Männchen von Drosophila suzukii Bildquelle: by Martin Hauser Phycus wikimedia.org

Bevor man jedoch ab einingen kleinen Fliegen in Panik gerät, sollte die Kirschessigfliege erst identifiziert werden. Dazu fängt man mittels Fallen einige Tiere und schaut sie mit einer Lupe an. Männliche Tiere der Kirschessigfliege D. suzuki haben auf den Flügeln je einen schwarzen Fleck, welcher bei der Fruchtfliege D. melanogaster fehlt!

Massnahmen

Netze| Gegen die Kirschessigfliege würden am effektivsten engmaschige Netze helfen. Die Maschenweite sollte maximal 0.8 mm betragen. Diese sind aber teuer und die Ernte ist sehr mühsam. Die Netze müssen vor dem Farbumschlag der Früchte angebracht werden.

Kalken| Rebstöcke können zu Beginn des Farbumschlags mit Löschkalk (Calciumhydroxid) oder Fruchtkalk im Traubenbereich bestäubt werden. Die Wirksamkeit dieser Massnahme ist jedoch nicht bestätigt. Für einzelne Stöcke kann auch Backpulver verwendet werden.

Es wird auch eine Kalkspritzung empfohlen. 1,5% Supspension (15 g / Liter) soll ausreichend sein. Je nach Witterung alle 2-10 Tage wiederholen bis 2 Tage vor Ernte möglich.

Fallen| Die Fallen sind einerseits nötig, um den Befall bzw. das Vorhandensein der KEF nachzuweisen. Alle 3-5 Meter aufgehängt können sie aber auch helfen, den Befall zu mindern. Dazu werden 2-5 mm grosse Löcher in Plastikbehälter (mit Deckel) gebohrt. Die Fallen werden ab Farbumschlag der Früchte in die Fruchtzonen gehängt und der Köder alle 14 Tage ersetzt.

Die Fallen werden mit folgender Köderflüssigkeit befüllt: 50% Wasser, 40% Apfelessig, 10% Rotwein, 2 Tropfen Spühlmittel. Angeblich soll Holundersaft noch besser ködern als Apfelessig.

Auch Gelbtafeln/Leimfallen sollen helfen.

Rechtzeitig und regelmässig ernten| Die Früchte nicht länger als nötig hängen lassen. Regelmässig und vollständig ernten: Auch überreife Früchte sollen entfernt und ggf. vernichtet werden.

Hygiene und Pflege| Die Fliegen mögen schattige feuchte Stellen. Daher sollte kein zudichtes Laubwerk vorhanden sein und die Pflanungen hell und luftig gehalten werden.

Abgeschnittene reife, befallene und/oder faule Früchte sollen nicht auf den Boden geworfen oder kompostiert, sondern im Kehricht entsorgt werden.

Der Inhalt von Fliegen- und Wespenfallen darf nicht auf den Boden geschüttet werden. (Ab besten die Flüssigkeit absieben und den Rest in den Müll kippen.)

Früchte kühlen| Die Früchte können nach der Ernte während 4 Tagen bei 2°C gelagert werden. Dadurch werden Eier und Maden abegetötet.

 

Quellen| Viele meiner Infos habe ich aus dem Artikel über Drosophila suzuki von bioaktuell.ch (Archiv 20141010-001). Aber auch von anderen Internetquellen und -Foren. Beim lbv Baden-Württemberg (Archiv 20141010-002, 20141010-003) gibt es ebenfalls Tipps zum Bauen einer Falle aus Bechern und Flaschen.

Schmierseifenlösung gegen allerlei Schädlinge (Blattläuse, weisse Fliegen, Schild- und Wolläuse)

Schmierseifenlösung hilft gegen viele „prominente“ Schädlinge im Gemüsegarten: Blattläuse, Blattsauger,Weiße Fliegen, Spinnmilben und Sitkafichtenläuse.

Aufgepeppt mit etwas Spiritus hilft es auch gegen Schild- und Wolläuse.

Ein grosser Vorteil ist, dass die Schädlinge sehr effizient eliminiert werden, gleichzeitig aber auch die meisten Nützlinge verschont werden. Der Zusatz von Spiritus greift dann aber auch Nützlinge an, weshalb die erweiterte Lösung sehr viel gezielter und sparsamer angewendet werden soll!

Rezeptur

Schmierseifenlösung gegen Blattläuse, Blattsauger,Weiße Fliegen, Spinnmilben und Sitkafichtenläuse:

15-30g Kali-Seife („Grüne Seife“, Schmierseife ohne Zusätze) in 1 Liter heissem Wasser auflösen und abkühlen lassen. Die Lösung unverdünnt verwenden. Ich nehme 20 g Schmierseife auf 1 Liter Wasser.

 

Schmierseifen-Spiritus-Lösung – die erweiterte Lösung gegen Schild- Woll- und Schmierläuse:

10-30 ml Spiritus pro Liter Schmierseifenlösung dazugeben. (Alternativ anstelle des Spiritus 15 ml Essig und 15 ml Zitronensaft verwenden.) Achtung! Die Erweiterte Lösung greift auch Nützlinge an!

 

Anwendung: Obst, Gemüse und Zierpflanzen. Sehr hohe Pflanzenverträglichkeit (auch für Citruspflanzen geeignet).

Pflanzen tropfnass spritzen. Blattunterseiten nicht vergessen!

Wartezeit: keine.

Wirkungsweise:

Verklebt den sehr kleinen Schädlingen die Atemwege. Wirkt nur durch direkten Kontakt mit den Schädlingen. Diese sitzen besonders auf der Blattunterseite. Darum besonders gut die Unterseiten besprühen!

Nützlinge wie  Marienkäfer, Florfliegen, Schlupfwespen und Raubmilben bleiben verschont, da deren Atemwege grösser sind und nicht verklebt werden.

Das Mittel ist auch gebrauchsfertig erhältlich, z.B. von Neudosan AF Neu Blattlausfrei.

Weitere Links: Zitrusgarten, Steffen Reichelts Citrusbuch, Artikel im Kleingartenmagazin (Juni 2011) [PDF0003], Beitrag von User Buntspecht [PDF0004] im Forum von Mein schöner Garten

Backpulverspritzung gegen Mehltau und Kraut- und Braunfäule

Allerlei Haus- und Wundermittel vor allem gegen die gefürchtete Krautfäule geistern herum. Die wenigsten erweisen sich jedoch als zuverlässig wirksam. Eines hingegen hat sehr viel positive Rückmeldungen bekommen, vor allem auch bei der Krautfäule an Tomaten. Ich bin zum Glück von der Krautfäule nicht so stark geplagt, da meine Tomaten relativ gut geschützt und windig stehen, so dass sie kaum Regen abbekommen und rasch wieder abtrocknen. Mehltau an Gurken und Zucchini kenne ich dafür sehr gut…

Ich habe das Mittel daher erst gegen Mehltau erprobt, aber mit gutem Ergebnis.

 

Rezeptur für die Backpulver-Spritzung

  • 1l Wasser
  • 7.5g Backpulver auf Natronbasis (Natriumhydrogencarbonat= Natriumbicarbonat)
  • 1EL Rapsöl (billigstes, da dies dünnflüssiger ist als Bio-Öl)
  • 1 Spritzer Spülmittel (als Emulgator, damit sich das Öl mit dem Wasser verbindet)

Quelle: Anneliese Schmid 2009 im Thread ‚Interessantes zum Thema Kraut und Braunfäule‘ auf hausgarten.net (Post #28) [PDF0002]

Alle Zutaten gut vermischen und in eine Pflanzenspritze füllen. Die Mischung enthält ca. 0.75% Backpulver.

Anwendung

Gegen Pilze und tierische Schädlinge an Tomaten, Gurken, Kürbis, Zucchetti, Melonen, Nüsslisalat, Salat, Rosen, Rosmarin, Salbei, Beeren …. Soll auch gegen Schorf und Regenflecken bei Kernobst sowie gegen Blüten- und Zweigdürre (Monilia) bei Aprikosen helfen.

Sobald ein Befall festgestellt wird, die Pflanzen rundum tropfnass spritzen. Danach regelmässig alle 8-12 Tage bzw. im Freiland nach jedem Regen spritzen. Vorsicht bei starker Sonneneinstrahlung: der Ölfilm kann wie eine Linse wirken und zu Verbrennungen führen. Bei Gemüse sollten 2-3 Behandlungen meist reichen. Nicht bei <25°C anwenden.

Achtung: Armicarb wird auch zur Früchtausdünnung bei Äpfeln & Zwetschgen verwendet. Es verätzt Blütenblätter und Pollen. Daher würde ich auch bei Gurken, etc. die Blüten schonen! (Allerdings stärker dosiert)

Anwendung bei Aprikose: Ab Blühbeginn und während der Blüte wöchentlich und nach Regen spritzen.

Die Wartefrist für Armicarb bei Gemüse ist gemäss Schweizer Bauer: 3 Tage. Diese halte ich ich ebenfalls ein.

Für Armicarb 100 werden 0 Tage Wartezeit angegeben. Der Intervall wird mit 10-20 Tagen angegeben, bei Pilzfreundlichem Wetter in engeren Abständen. Ausserdem wird angegeben, dass angerührtes Spritzmittel innerhalb von 12 Stunden verbraucht werden soll. (Ich halte mich da nicht so dran, ist aber sicher ein wenig Beobachtung wert.)

Ich habe auch einen Praxis-Bericht zur Anwendung der Backpulverspritzung bei Mehltau an Gurken erstellt.

Gedanken zur Wirkungsweise

  • Das saure Backpulver senkt den pH-Wert auf den Pflanzenblättern. Das mögen Pilze nicht.
  • Das Öl soll die Pilzgeflechte lösen.
  • Das Spülmittel wirkt als Emulgator zum Binden von Öl und Wasser.
  • Das Mittel soll auch gegen weisse Fliegen, Raupen, etc. wirken. Da wirkt vermutlich das Öl welches die Atmung der Fliegen verstopft.

  

Interessanterweise habe ich bei der Zeitschrift Schweizerbauer einen Artikel gefunden, der ein neues für den Bio-Anbau zugelassenes Mittel ankündigte. Der Link funktioniert leider nicht mehr und ich konnte den Artikel nicht mehr finden. Im Artikel stand geschrieben, dass das auf Kaliumbicarbonat (E501) basierende Mittel Armicarb in 0,5%iger Konzentration seit 1. Juli 2008 im biologischen Landbau zugelassen ist gegen echten Mehltau bei Tomaten, Nüsslisalat, Gurken, Zucchetti, Rosmarin und Salbei. Wartefrist 3 Tage. Das Produkt muss unmittelbar nach Befallsbeginn regelmässig in wöchentlichen Abständen eingesetzt werden.

Nachtrag: Mit etwas Suchen findet man jedoch auch anderswo im Internet Hinweise auf die Wirkung von Backpulver/Natriumbicarbonat gegen Pilze an Gemüsekulturen. Im Forum von Hausgarten.net habe ich zum Beispiel noch einen Hinweis auf obiges Mittel gefunden, welches in den USA unter den Namen „Armicarb 100“ oder „Firststep“ auf dem Markt sein soll. Der Beipackzettel zu Armicarb 100 [PDF0005] ist ebenfalls dort verlinkt, wie auch dieser Beitrag: Using Baking Soda as a Fungicide (von George Kuepper, Raeven Thomas, and Richard Earles) [PDF0006]. Kleine Übersetzungshilfe: Potassium bicabonate = Kalimbicarbonat und Sodium bicarbonate = Natriumbicarbonat

Nachtrag 2: In der Schweiz ist das Mittel ebenfalls unter dem Namen Armicarb von der Firma Stähler erhältlich. Für den Hausgarten führt z.B. Landi ein Produkt mit diesem Namen und Wirkstoff.

Ein entsprechender Bericht über die Zulassung im Bio-Anbei ist in einer Medienmitteilung des FiBL [PDF0001] von 2008 zu finden.

Nachtrag 3 (Februar 2015): Eine Backpulverspritzung soll auch gegen den Buchsbaumzünsler helfen! Gelesen auf Willis Wein Idee.

Backpulverspritzung bei Gurken

Heute zeige ich einmal Bilder aus der Praxis zur Backpulverspritzung. Der Beitrag wird laufend ergänzt.

Ich hatte eine Gurkenpflanze überzählig und so wurde diese einfach mitten ins Blumenbeet(chen) gesetzt. Jeglicher Witterung erbarumngslos ausgesetzt: Sie brachte die erste Gurke in diesem Jahr!

Mittlerweile hat sie aber etwas Mehltau bekommen. Und aus Zeitnot konnte ich nicht gleich bei Befallsbeginn behandeln. So sieht die Patientin heute bereits recht stark befallen aus:

Da will ich doch gleich die Backpulverspritzung dokumentiert testen. (Die Details zu diesem Hausmittelchen sind im eingangs verlinkten Beitrag zu finden.)

Die Zutaten sind zusammengekramt und das Backpulver abgewogen.

Und in einer Pflanzenspritze angemischt.

Dann wird die Patientin von allen Seiten tropfnass gesprüht.

Jetzt heisst es abwarten…

Update vom 2. August

Bereits nach zwei Tagen ist eine Besserung sichtbar. Der Befall nimmt nicht mehr weiter zu.

Ich habe gleich nochmals gespritzt. Heute morgen um ca. 10 Uhr:

Und um 18 Uhr sah es dann so aus. Die Sonne hat zum Glück nichts verbrannt, obschon es ein sehr schöner Tag war.

Update 13. August

Die Gurke hat sich nach zwei Wochen ganz gut erholt. Sie macht viele frische Blätter und bei den alten ist der Pilz verschwunden. Anstelle des Pilzes sind lediglich gelbe Stellen auf den Blättern geblieben. Aber die scheinen die Pflanze nicht zu stören. Gespritzt wurde übrigens nicht mehr.

Update 30. August

Einen Monat nach der Behandlung. Ich würde sagen: Operation erfolgreich, Patient lebt!

Die Gurke steht weiterhin schön stramm da. Ich hatte seither nicht mehr gespritzt. Die letzten Tage gab es etwas Regen und wurde kühler – vor allem Nachts. Ausserdem gibt es nun auch wieder Tau in der Nacht. Ich sollte wohl nochmals spritzen.

Sie hat auch neue Gurken produziert. Sie hat also nicht nur über-lebt – sie lebt auch weiter.

Hier sieht man, was aus den befallenen Blättern geworden ist. Vom Pilz keine Spur mehr…