Archiv der Kategorie: Pflanzenportraits

Meine Kiwi-Plantage

Mittlerweile habe ich eine regelrechte Kiwi-Familie beisammen. Es gibt drei Gruppen (Arten) von Kiwis, welche in den letzten Jahren stark in Mode bezwiehungsweise in die Gärten gekommen sind. Die Unterschiede liegen vor allem in der Fruchtgrösse und der Erntezeit – aber auch in der Winterhärte: Zuerst reifen im August die kleinsten, die Sibirischen Kiwi (auch Sommerkiwi), dann folgen ab Ende August die Minikiwi (auch Traubenkiwi) und zum Schluss kommen ab Oktober die grossen „normalen“ Kiwi.

Die Sibirische Kiwi

Botanisch: Actinidia kolomikta

Die am besten winterharte Art übersteht Winter bis -35°C (Sortenbedingte Abweichungen möglich).

Ich habe die selbstfruchtbare Sorte Anniki.

  • Anniki (selbstfruchtbar): Die einzige mir bekannte selbstfruchtbare A. kolomikta-Sorte. Sie soll auch ohne männlichen Befruchter regelmässig zuverlässige Ernten bringen. Ich werde das hoffentlich bestätigen können, wenn meine Pflanze in den Ertrag kommt. Sie wurde erst 2014 gepfanzt.
    Anniki wurde in den 1970er-Jahren in Finnland gezüchtet (Selektion aus A. kolomikta-Sämlingen) und hat in Finnland über viele Jahre zuverlässig ihre Winterhärte bewiesen. Die Früchte sind hellgrün, mittelgross und sollen süss schmecken. Weiter Informationen zu dieser Sorte konnte ich leider nicht finden. Wenn, dann auf finnischen Seiten – und mit der finnischen Sprache hat auch Guugels Babelfisch ziemliche Probleme 🙂
  • Dr. Szymanowski (weiblich): weibliche Sorte mit leicht dimorphen Merkmalen aus polnischer Herkunft. Nach meinen Recherchen selektioniert durch Dr. Tadeusz Szymanowski, eingeführt durch Szczepan Marcyński im Jahr 1995.
  • Adam (männlich): männliche Befruchtersorte für alle A. kolomikta-Arten. Eine polnische männliche Sorte vom Züchter Szczepan Marcyński.

 

Die Minikiwi

Botanisch: Actinidia arguta

Minikiwi sind auch bei uns gut winterhart und überstehen Winter von -25°C bis -30°C (Sortenbedingte Abweichungen möglich).

Ich habe die Sorten Issai, Weiki und Nostino.

  • Issai (selbstfruchtbar)
  • Weiki (weiblich)
  • Nostino (männlich)

 

Die grosse Kiwi

Botanisch: Actinidia deliciosa & Actinidia chinensis

Die heikelste Art zum Überwintern. Besonders junge Pflanzen müssen im Stamm- und Wurzelbereich gut geschützt werden. Sie können in starken Wintern stark zurückfrieren.

Ich habe die Sorten Hayward, Greenlight Convi und Tomuri.

  • Hayward (weiblich)
  • Greenlight Convi (weiblich): eine italienische Selektion aus Hayward, welche 3-4 Wochen früher reif wird. Damit können auch in der Schweiz reife Früchte ab Pflanze geerntet werden. Die übrigen Eigenschaften – vor allem die gute Lagermöglichkeit – sollen denjenigen von Hayward entsprechen.
  • Tomuri (männlich)
  • Abott (weiblich)
  • Starella (weiblich): meines Wissens eine Selektion aus Abott der schweizer Firma Häberli mit besonderem Augenmerk auf Winterhärte. Die Blüte ist wohl etwas vor Hayward.
  • Matua (männlich): soll einige Tage vor Tomuri mit der Blüte beginnen.
  • Jenny (selbstfruchtbar): eher kleine Früchte und angeblich unregelmässige Ernten ohne „richtigen“ Befruchtuer.
  • Solo (selbstfruchtbar)

 

Die Befruchtung: Männchen und Weibchen bei Kiwi

Ein wichtiger Punkt bei den Kiwis ist die Bestäubung. Die meisten Sorten sind entweder männlich oder weiblich. Das bedeutet, es werden zwei Pflanzen benötigt, um Früchte zu ernten: eine Männliche und eine (bis zu acht) weibliche Pflanzen dazu. Dabei können die Männchen der Arten Actinidia deliciosa und A. chinensis auch Weibchen der Minikiwi (A. arguta) befruchten. Umgekehrt funktioniert es angeblich nicht.

Es gibt einige selbstfruchtbare Sorten. Der Erfolg damit es jedoch nicht immer sicher und teilweise stark schwankend.

Der Feigenkaktus Opuntia ficus-indica

 

 

Anbau

Blüten werden an älteren Blättern gebildet, die mindestens 6 Monate alt sind. Werden die Kakteenblätter nicht geerntet, wachsen sie bis zum Herbst weiter und bilden meistens im folgenden Frühjahr Blütenknospen. [1]

Wenn die Pflanzen enger gesetzt werden (Abstände von 80X40 bzw. 100×25 [ca. 40’000 Pflanzen/ha] werden angegben) sind höhere Flächenerträge möglich, wenn auch die Erträge der einzelnen Pflanzen kleiner sind.

Grössere Blätter als Stecklinge sollen schneller einen grösseren Ertrag bringen (aufgrund der Nährstoffmenge im Blatt) als kleinere. [1] Die geschnittenen Blätter sollen mindestens 4 Tage abtrocknen, bevor sie eingepflanzt werden, damit sie nicht faulen. Sie können über den Winter frostfrei und stehend in Kisten gelagert werden und im Frühjahr direkt gepflanzt werden. Beim Pflanzen ins Freiland sollen die Blätter mit den flachen Seiten nach Osten/Westen ausgerichtet sein. 1/3 bis 1/2 des Blattes werden in die Erde gesetzt und leicht angedrückt.

Ernte

Der Erntezeitpunkt soll den Geschmack der Kaktusblätter beeinflussen: Am frühen morgen geerntete Blätter sollen leicht säuerlich sein, während am Abend geerntete Blätter milder im Geschmack sind. [2]

 

Quellen:

[1] CULTIVATION OF OPUNTIA FOR FODDER PRODUCTION: FROM RE-VEGETATION TO HYDROPONICS (http://www.fao.org/docrep/005/y2808e/y2808e0g.htm

[2] Texas Cactus Council http://www.texascactuscouncil.net/opuntiacactus.php 

Pilzkraut (Rungia klossii)

Tönt interessant, nicht? Ein Kraut was nach Pilzen schmeckt und ganz einfach zu ziehen ist, wenig Ansprüche stellt – ausser dass es nicht winterhart ist.

Rungia hat ein feines Pilzaroma. Besonders wenn man an der Pflanze riecht oder ein Blatt direkt isst. Die Blätter sind knackig mit einem leicht „grünen Nebengeschmack“ (den andere als Chlorophyl bezeichnen würden). Wirklich lecker.

In der Küche hat mich das Kraut bisher eher enttäuscht. Wenn man eine handvoll kleinschneidet und ins Essen mischt, schmeckt man beinahe nichts raus. (Achtung: Das Pilzkraut erst kurz vor dem Servieren dazugeben. Wird es mitgekocht verliert es sein Aroma.) In einem Salat ganze oder höchstens halbierte Blätter zugeben. Wenn man direkt draufbeisst, so schmeckt man es… Aber auch eher enttäuschend – verglichen mit einem Koriander, wo ich einige Blätter fein hacke und in die Salatsauce gebe um den ganzen Salat zu dominieren…

Ich werde also noch ein wenig experimentieren müssen, um mich restlos für die Pflanze begeistern zu können.

Nachtrag: Ich habe die Pflanze im Herbst einfach draussen gelassen – und seither keine mehr 🙂 Das Kraut konnte mich nicht überzeugen.

Anbau und Pflege

Rungia ist nicht winterhart. Unter 12°C stellt sie das Wachstum ein und bei Frost verliert sie die Blätter (wobei sie kleinere Fröste durchaus überleben und danach wieder austreiben soll). Im Herbst muss sie also ins Haus geholt und möglichst nicht bei zu trockener Luft überwintert werden. Sonst ist sie schnell von Spinnmilben und weissen Fliegen befallen. Die Pflanzen also am besten regelmässig mit kallkfreiem Wasser besprühen.

Um gut und kräftig zu wachsen braucht die Pflanze viel Wärme (sie stammt aus Papua-Neuguinea), aber nicht unbedingt viel Licht. Die Erde sollte immer feucht, aber nicht staunass sein. Gelegentlich mit etwas Flüssigdünger düngen – und regelmässig ernten.

Im Frühjar sollte das Pilzkraut vorsichtig an die Sonne gewöhnt werden, damit die Blätter bei Rausstellen nicht verbrennen.

Ernte & Verwendung

Immer ca. 10cm lange Triebspitzen ernten. So wird die Pflanze schön buschig und neues Wachstum angeregt.

Die Ernte ist je nach Standort ganzjährig möglich. Die Blätter können eingefroren oder (angeblich) auch getrocknet werden.

Verwendet werden die Blätter frisch – roh oder zum Verfeinern von gekochten Speisen.

Roh kann man es in Salate, Kräuterquark, Kräuterbutter, aufs Butterbrot, … verwendet werden. Auch als eigenständiger Salat (ähnlich wie Nüsslisalat) kann es verwendet werden. Letzteres finde ich am interessantesten, da man dann den Geschmack wirklich rausschmeckt.

Kochen sollte man es wie bereits geschrieben nicht. Dann verliert es das Aroma.

Aber vor dem Servieren können Gerichte damit verfeinert werden: Suppen, Saucen, Gemüse- oder Nudelgerichte.

Vermehrung

Einfach die Spitzen der geernteten Zweige dran lassen und in ein Glas Wasser stellen. Sobald sich Wurzeln gebildet haben können die Triebe sorgfälltig eingepflanzt werden.

Oder direkt in feuchte Erde stecken.

Bei grossen älteren Pflanzen ist auch eine Teilung des Ballens möglich.

Opuntia humifusa in der Küche

Heute habe ich einmal meine winterharten Opuntien (Opuntia humifusa ‚Meran‘ und ‚Blüte gelb‘) in der Küche ausprobiert. Zum Vergleich dazu habe ich ein Blatt der Ess-Opuntie Opuntia ficus-indica mit zubereitet.

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Fazit:

  • Geschmack: Auch O. humifusa eignet sich prima für die Küche. Das typische „Aroma“ von O. ficus-indica ist nicht ganz so ausgeprägt bei O. humifusa.
  • Grösse: Aufgrund der kleineren Blätter von O. humifusa ist die Rüstarbeit mühsamer und gibt mehr Arbeit, da viel mehr kleine Blätter gerüstet werden müssen für die gleiche Menge.
  • Bei älteren Blättern (dunkelgrün, festere „Haut“) können die Clochidien nicht vollständig mit der Schwamm-Methode entfernt werden. Die Clochidien müssen dann mit dem Messer herausgeschnitten werden, was wiederum aufwändiger ist. Ausserdem wird der Anteil an Rüstabfall grösser und die Blätter werden schleimiger, da durch die zusätzlichen Schnitte mehr Schleim austreten kann.
  • Alles in allem finde ich O. humifusa trotzdem für die Küche interessant, insbesondere, da die Pflanzen winterhart sind!

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Das Ausgangsmaterial:

  • links drei Blätter von Opuntia humifusa (oben und unten jeweils ein jüngeres Blatt, das dunkelgrüne in der Mitte ist älter)
  • rechts ein Blatt von Opuntia ficus-indica

Bei den jüngeren Blättern von Opuntia humifusa können die Clochidien auf den Flächen gut mit der Schwamm-Methode entfernt werden. Die seitlichen Clochidien entweder ebenfalls mti der Schwamm-Methode entfernen oder mit dem Messer die Ränder abschneiden.

Das ältere O. humifusa-Blatt hat einige festere Clochidien, die auch nach der Behandlung mit dem Schwamm stehen bleiben.

Bei diesen Blättern müssen die Clochidien mit dem Messer entfernt werden. Das geht am einfachsten, indem man die Clochidien streifenweise herausschneidet (so wie man die Augen bei einer Ananas entfernt).

Die entdornten und gewaschenen Blätter …

… werden vorgegart.

Sie sind bereit zur weiteren Verarbeitung. Zum Beispiel ein Ensalada de nopales oder Nopalitos con huevos.

Passionsblume Eia Popeia(R)

Dieses Frühjahr kaufte ich mir die kräftig umworbene Passionsblume Eia Popeia(R). Aufgrund des üblen Frühjahrs wurde der Liefertermin von Anfangs Mai auf Juni verschoben – Geduld war angesagt. Anfangs Juni kam dann aber eine schöne kräftige bereits ausgetriebene Pflanze an, die sich schnell und gut entwickelte.

Die Passiflora incarnata – Selektion soll zuverlässig winterhart sein (bis -20°C) und dennoch auch im Freiland ausgepflanzt essbare Früchte liefern – so das Werbeversprechen. Tönt verlockend, nicht? We’ll see…

Passiflora incarnata wächst staudig und bildet aus den Wurzeln neue Triebe. Sie ist selbstfruchtbar, das heisst: eine Pflanze reicht, da sie sich selbst befruchten kann. Das ist nicht bei allen Passionsblumen so! Im Winter zieht die Pflanze in den Wurzelballen ein und treibt dann im späten Frühjahr wieder frisch aus. Der Austrieb kann beschleunigt werden, indem der Wurzelbereich im Winter kräftig gemulcht wird (zumindest vor dem Kahlfrösten, die normalerweise Januar/Februar auftreten). Anfangs April wird die Mulchschicht entfernt und ein Vlies über die Pflanzstelle gespannt, so dass der Boden erwärmt und die ersten Triebe vor (Spät-)Frösten geschützt werden.

Am 9. Juli 2013 hat meine Passi die erste stark duftende Blüte geöffnet.

Ab Mitte August sollen die neu gebildeten Früchte entfernt werden, damit die volle Energie in die Ausbildung und Reifung der vorhandenen Fruchtansätze geht. Diese sollen dann ab Ende September bis in den November hinein ausreifen. Die Früchte sind reif, wenn die Farbe von grün auf gelb wechselt.

Im Dezember bzw. nach der Fruchternte werden die Triebe auf ca. 10cm zurückgeschnitten und die Pflanze gemulcht bzw. der Topf ins Winterquartier verräumt. Die Pflanze kann dann dunkel überwintert werden. Sie darf jedoch nicht ganz austrocknen, aber auch nicht staunass stehen. Alle 4 Wochen die Feuchtigkeit kontrollieren und ggf. leicht nachfeuchten.